Big in Japan (1)

Seit drei Tagen bin ich nun zurück von meiner Reise durch Japan und habe einen Kulturschock nach dem anderen erlebt. Ursprüngliches Ziel der Reise war ein Konzert der Band Muse in der Yokohama Arena in Yokohama/Tokyo. Da aber nun mal wirklich niemand so verrückt ist, nur wegen eines Konzertes ans andere Ende der Welt zu fliegen, musste eine längere Reise drumrum geplant werden. Gesagt, getan - schon sitzt man im Flieger und freut sich auf das, was man nicht erwartet hatte!
Tokyo und seine Metropolregion besticht vor allem durch zwei Dinge: Menschenmassen und Beton, so weit man blicken kann. Wer also auf Urlaub und Erholung aus ist, dem sei definitiv abgeraten, nach Japan zu fliegen. Zu jeder Tageszeit herrscht in der 37 Millionen-Metropole Tokyo/Yokohama reges Treiben. Gerade in der abendlichen Rushhour überrollt einen eine Walze aus Menschen, die allerdings alle ihren Weg gehen und diesen auch finden. Überquert man die weltbekannte Shibuya-Kreuzung zeitgleich mit bis zu 15.000 anderen Menschen, ist man danach überrascht, wie leicht und diszipliniert dies vonstatten ging. Der Verkehr sowohl für Fußgänger, Bus, Auto und Zug ist penibel geregelt. Kontinuierlich aufgezeichnete Pfeile und Markierungen auf dem Asphalt weisen den Fußgängern die Wege in die U-Bahn-Stationen. Dort wird sich dann brav hintereinander angestellt um auf die Züge zu warten, die im Sekundentakt eintreffen.

Wir haben uns für die Zeit in Tokyo in einer Airbnb-Unterkunft im Bezirk Minato im Herzen der Stadt einquartiert. Strategisch gut gewählt, konnten wir alle unsere Ziele für die erste Woche einfach erreichen.

Hallo Akihabara!

Einer unserer ersten Ausflüge ging in den Bezirk Akihabara, die “Electric City” in Tokyo. Hier findet der Elektronikfan wirklich ALLES was das Herz begehrt. Kein Media-Markt der Welt kann mithalten mit dem, was z. B. das Yodabashi-Elektronikcenter zu bieten hat. Von Consumer- bis Profi-Equipment gibt es auf 8! Stockwerken jedes erdenkliche Elektronikteil zu kaufen. Akihabara ist aber auch DAS Viertel für Manga- und Cosplay-Fans. Shops für Kostüme, DVDs und Comics findet man an jeder Ecke. Etwas verstörend waren die sogenannten “Maid-Cafes”, in denen der Gast von jungen Mädchen in Schuluniformen bedient - und verehrt wird. An jeder Straßenecke “lauern” die Mädchen auf, um einen in ein solches Cafe zu locken. Hört sich fast an wie Prostitution, ist es aber nicht. In diesen Cafes werden Süßigkeiten verkauft. Wer drauf steht, kann das gerne auch ausprobieren. Leider kann ich selbst mit dieser Jugendkultur rund um Manga ziemlich wenig anfangen, weshalb ich jetzt auch nicht weiter darauf eingehe. Die Klischees werden aber in Akihabara definitiv erfüllt! ;-)

Dritte Ersterfahrung, die wir in Akihabara machen durften, waren die “Pachinko”-Spielhallen die sich bei den Japanern sehr großer Beliebtheit erfreuen. Dort finden sich auf meiste mehreren Ebenen hunderte Spielautomaten, an denen man sein Glück versuchen kann. Der Lärmpegel in diesen “Casinos” liegt beständig bei über 90 Dezibel, weshalb die Profis auch mit professionellem Gehörschutz spielen. Keine zehn Minuten haben wir es in einer dieser Spielhöllen ausgehalten. Übrigens ist in Japan das Glücksspiel um Geld verboten. In Pachinko-Casinos wird mit und um Metallkugeln gespielt, die sich dann gegen Sachpreise oder sogar Goldbarren eintauschen lassen.

Hallo Asakusa / SkyTree!

Nächstes Ziel nach unserem verrückten Einstieg war der Stadtteil Asakusa. Dort befindet sich der Sensō-ji, der älteste und bedeutendste buddhistische Tempel Tokyos. Dieser ist auch unter den Japanern ein sehr gefragtes Wochenendausflugsziel, weshalb wir uns im Nachhinein vielleicht nicht den Samstag als Besuchstag hätten aussuchen sollen ;-)

Der Weg zum Tempel führt durch eine Einkaufspromenade aus Verkaufsständen, die vor allem traditionelles Essen und Kleidung aber auch viele Souvenirs anboten. Am Tempel selbst war dann kurzes Innehalten angesagt. Es war durchaus interessant zu beobachten, wie die Menschen dort ihren Glauben ausleben. Auch gewannen wir Einblick in so manches Ritual, was vor Ort ausgeübt wird.

In der Nähe befindet sich auch der SkyTree, der mit 634 Metern höchste Fernsehturm der Welt. Natürlich ist es ein Muss für einen Filmemacher, dort hochzugehen und ein paar beeindruckende Von-Oben-Aufnahmen Tokyos zu machen. Wir waren pünktlich zur Abenddämmerung am Aufzug, der uns in ein paar Sekunden auf 450 Meter zur Aussichtsplattform brachte. Die Aussicht war beeindruckend und auch zugleich beängstigend. Egal in welche Himmelsrichtung man blickte - die Stadt schien schier unendlich zu sein. Mit einsetzender Dunkelheit verwandelte sich Tokyo in ein Lichtermeer, welches weltweit seinesgleichen sucht. Jeder Pixel wurde mit anderen Lichtfarben gefüllt. Platz für dunkle Stellen wurde kaum mehr gelassen.


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