Big in Japan (3)

Kyoto | Osaka | Tokyo Round #2

Mit den japanischen Schnellzügen Shinkansen ist es sehr einfach , kostengünstig durch ganz Japan zu reisen. Im dritten und letzten Teil meines kleinen Reiseberichts über Japan nehme ich euch deshalb mit nach Kyoto und Osaka, ehe es noch ein paar Spots in Tokyo zu sehen gibt. 

Nächster Halt: Kyoto!

Nach einer Woche Tokyo hatten wir erst einmal genug von dieser lebendigen Stadt und beschlossen, einen dreitägigen Trip nach Kyoto und Osaka zu unternehmen. Im Nachhinein betrachtet war das evtl. ein zu kurzer Zeitraum um wirklich viel von beiden Städten zu sehen, allerdings haben wir zumindest einen kleinen Eindruck gewonnen. Mit dem Shinkansen ist das 500 km von Tokyo entfernte Kyoto in 2,5 Stunden erreichbar (liebe deutsche Bahn, nimm dir da mal ein Beispiel!) und war auch unser erstes Ziel. Die Stadt hat "nur" 1,45 Millionen Einwohner und ist eine der ältesten und kulturell bedeutsamsten Städte Japans. Im zweiten Weltkrieg war Kyoto die einzige Großstadt Japans, die von Bombardierungen verschont und somit auch am besten erhalten geblieben ist. In Kyoto finden sich mehr als 1600 buddhistische Tempel und 400 Shinto Schreine. 

Einen der bedeutendsten Schreine haben wir gleich nach unserer Ankunft besucht. Nicht weit vom Hauptbahnhof befindet sich der Fushimi Inari-Taisha, ein großer Shinto-Schrein und gleichzeitig sehr beliebtes Ziel bei Touristen aus aller Welt. Er ist der Göttin Inari gewidmet, die in der Shinto-Religion für Fruchtbarkeit, Reis und Füchse steht. Erkennbar sind die über 30.000 Inari-Schreine meist an Fuchs-Statuen und an den orangenen Torii, von denen es allein in Fushimi mehr als 10.000 Stück gibt, die verschiedene (Wander-)wege bilden. Nach einer kleinen Einführung in Shinto durch eine freundliche Japanerin (nein, sie hat uns nicht abgezockt :D), sind wir einige dieser Wege durch die Tore auch abgelaufen. Leider war es schon zu dunkel um wirklich schöne Fotos während dieser interessanten Erfahrung zu machen. Übrigens wurde viele der Tore von japanischen Firmen gesponsert, deren Name dann auch auf der Rückseite des jeweiligen Tors vermerkt wurde.

Außerdem haben wir in Kyoto einen Halbtagesausflug zum Iwatayama Affenpark gemacht. Etwas schwerer zu erreichen, da auf einem Berg gelegen, erwarteten uns freilebende Japanmakaken oder auch Schneeaffen, die keinerlei Scheu vor dem Menschen hatten. Der Aufstieg hätte sich auch so schon gelohnt, da ich mit meiner Kamera einen tollen Ausblick auf Kyoto einfangen durfte. Schöner Ausblick, lustige Affen, tollerAusflug in die Natur! :-)

Osaka? Hollywood!

Nach anderthalb Tagen Kyoto hatten wir noch einen Tag in Osaka, wo wir übrigens auch übernachtet haben. Kyoto und Osaka liegen nur 50 Kilometer auseinander, könnten aber unterschiedlicher nicht sein. Osaka ist eine weitere japanische Metropole und hat viel zu viel zu bieten für nur einen einzigen Tag Zeit. Wir kamen abends in unserer Unterkunft an und mussten erst mal über die Bauweise japanischer Mehrfamilienwohnhäuser schmunzeln. Die Außenwände unserer Wohnung waren nicht viel dicker als Pappe, was zur Folge hatte, dass man schon kräftig heizen musste, um im November nachts nicht schon zu erfrieren. Noch beim Supermarkt-Sushi entschieden wir uns dafür, am nächsten Tag zwei völlig unterschiedliche Welten zu besuchen: Die Burg Osaka und die Universal Studios Japan. Touristischer gehts zwar kaum - aber wir hatten ja nur einen Tag! ;-)

Die sich über einen Quadratkilometer erstreckende Burg Osaka ist eine der berühmtesten Burgen Japans und beherrbergt im Inneren ein Museum, welches sich vor allem der Geschichte der Burg und der Belagerung Osakas 1614/1615 widmet. Die Burg wurde mehrere Male niedergebrannt oder zweckentfremdet, allerdings immer wieder aufgebaut. Bei der letzten Renovierung im Jahre 1997 wurde das 8-stöckige Gebäude in das Museum umgebaut, das es auch bis heute ist. Dazu muss ich sagen, dass ich im Inneren einer historisch bedeutsamen Burg kein modernes Museum mit Aufzügen erwartet hätte. Immerhin wurde der Stil dann durchgezogen und mit modernen, aufwenigen Mitteln die Geschichte der Burg erzählt. 

Gleich um die Ecke befindet sich der Osaka Business Park, in dem wir an diesem Tag vermutlich verschiedenen Abschlusszeremonien japanischer Schulklassen (evtl auch Musikschulen) beiwohnen durften.

Den Rest des Tages verbrachten wir dann auf einem anderen Kontinent....

Einmal USA und zurück bitte...

Die Universal Studios Osaka sind der japanische Ableger der US-amerikanischen Themenparks des Filmstudios Universal. Ich war vorher noch nie in einem Themenpark und wollte die Gelegenheit nutzen, einen kalten, bewölkten Novembernachmittag mal etwas anders zu verbringen. Ich habe aber nicht damit gerechnet, was uns dann da überrollen sollte. Hatte man erst mal umgerechnet 55 € Eintritt pro Person gezahlt, tauchte man ein in eine magische Welt verschiedener Hollywoodfilme und konnte verschiedene Shows, Attraktionen und Achterbahnen erleben. Jede einzelne dieser Attraktionen beeindruckte uns auf ihre Art und Weise. Einmal mit einer Wildwasserbahn durch den Jurassic Park zu fahren oder einen Abstecher nach Hogwarts und die Zauberwelt rund um Harry Potter zu machen wollte man doch schon als kleines Kind. Andererseits ist der Park ein Ort, wo wohl die obere Grenze an Kommerz und Kapitalismus erreicht wurde. Hier bekam man an jeder Ecke das Geld aus der Tasche gezogen. 

Wir hatten das Glück, aufgrund unserer späten Ankunft und des eher schlechten Wetters nie lange für die Attraktionen anstehen zu müssen und hatten zum Schluss das Gefühl, wirklich viel Show und Spaß für unser Eintrittsgeld bekommen zu haben. Unter anderem konnten wir die Filme rund um Spider Man, Jurassic Park, Harry Potter, Backdraft, Der weiße Hai aus einer ganz anderen erlebnisorientierten Sicht (und auf japanisch) erleben. Das abendliche Osaka blieb aber natürlich etwas auf der Strecke und zeigte sich nur während der Fahrt mit einer der riesigen Achterbahnen im Park.

Ausklang in Tokyo...

Dann ging es mit dem Shinkansen auch schon wieder zurück nach Tokyo, wo noch drei erholsame Tage auf uns warteten, die wir für eine Bootsfahrt, traditionelles Sushi und einen Besuch in Shinjuku nutzen sollten. Auch dieser Stadtteil ist sehr belebt und hat mit über 10 Prozent einen der höchsten Ausländeranteile in Tokyo. Der Bahnhof von Shinjuku glänzt mit einem der höchsten Passagieraufkommen der Welt und teilt das Gebiet in Business, Shopping und Vergnügen. In einem kleinen unscheinbaren Restaurant bekamen wir hier auch das bisher beste und günstigste Sushi-Menü serviert. Wir schauten dem Sushi-Koch bei der Zubereitung unseres Essens zu und fragten uns, wieso denn da dieser eine große Fisch im Aquarium schwimmen durfte, während alle anderen auf dem Sushibrett landeten. Übrigens lernte auch ein Grobmotoriker wie ich in zwei Wochen, einigermaßen mit Essstäbchen umzugehen. Trotzdem bleibt es mir ein Rätsel, wie man bitte Udon, Ramen und Co - also Suppen - ordentlich und ohne viel zu Kleckerei von der Schale in den Mund bekommt.

Zu guterletzt kann ich noch eine Schifffahrt bei Nacht empfehlen, die von der Tokyo Bay bis Asakusa geht und Einen mit durch die unendliche Skyline von Tokyo nimmt. Ich habe die bunt beleuchteten Brücken irgendwann nicht mehr gezählt, freute mich aber über tolle Aufnahmen und Eindrücke aus einer nochmals neuen Perspektive. 

In den drei Teilen dieses Berichtes habe ich ungefähr 60% unserer Erlebnisse beschrieben, was bedeutet, dass wir in den zwei Wochen Tokyo wirklich eine Menge erlebt haben. Wer eine völlig fremde Welt erleben will und sich auch darauf einlässt, dem sei Japan als Reiseziel dringend ans Herz gelegt. Zwar wird es allgemein als sehr teuer bezeichnet, allerdings kann man auch für relativ wenig Geld mit AirBNB und einer günstigen Lebensweise (öfters selbst kochen, viel laufen, viele gratis Sehenswürdigkeiten besuchen) einen schönen, abwechslungsreichen Aufenthalt haben. Wenn man dann auch noch gerne Filme dreht oder Manga- und Sushifan ist,  dann ist man in Japan genau richtig! 

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